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Montag, 5. Februar 2007 22:48

Torstens “Inneres Boxen” von M. C. Boston 12.05

Torstens Fortschritt als Kampfkünstler und als Lehrer
ermöglicht ihm, einen weltverändernden Beitrag zu leisten,
indem er eine der größten Errungenschaften der Menschheit
vielen Menschen zugänglich macht. Die Inneren Kampfkünste,
die über Jahrhunderte kultiviert wurden, weisen einen Weg zu
einem Ausmaß an Körperkraft und Ausgewogenheit, der
verglichen mit normalen Standards unfaßbar ist. In ihrer
höchsten Qualifikation eröffnen diese Künste einen Einklang
von körperlichem Selbst und dessen Umwelt, der zum höchsten
Niveau menschlicher Fähigkeiten führt. Aber die Bedingungen
in der modernen Welt, die eine möglichst einfache
Verbreitung von Massenprodukten fördern, haben häufig auch
ihre Abwertung und Entstellung zur Folge. Im Falle der
esoterischen Kampftechniken und Mittel der
Persönlichkeitsentwicklung sind diese Gefahren durch das
lange Zurückhalten der Lehre einer Praktik, die Fähigkeiten
verleiht, die mißbraucht werden könnten, noch größer. Die
Verbreitung der Formen und Techniken aus China, dem Zentrum
für viele Innere Kampfstile, wurde durch die
Kulturrevolution unterbrochen, als ihre öffentliche Ausübung
mit schweren Repressalien verbunden war. Obgleich
faszinierende Fragmente übriggeblieben sind, ist die
körperliche Umsetzung und spirituelle Aneignung der
Kampfkünste schwer zu erreichen. Torsten ist einer der
Menschen, der eine historische Rolle darin spielen könnte,
diese Praktiken am Leben zu erhalten, sie an die derzeitigen
Verhältnisse anzupassen und ihnen zur Entfaltung zu
verhelfen.

Jemand, der ein großer Kampfkünstler oder ein besserer
Mensch werden möchte, indem er einige authentische
Fertigkeiten entwickelt, die auf dem Verständnis der inneren
Kraft und Bewegung basieren, ist in dieser Welt mit
unglaublichen Schwierigkeiten konfrontiert. Effektive und
einflußreiche Vertreter sind selten. Die wenigen mit echtem
und ausgewogenem Wissen sind oft unentschlossen, ihren
Schlüssel zum Erfolg weiterzugeben und neigen dazu,
aufwendige und demütigende Ehrerbietungen ihren eigenen
Fähigkeiten gegenüber einzufordern, ehe sie etwas von ihrem
internen Verständnis weitergeben würden. Und die Beziehung
zwischen Kampfkunstkenntnissen und der guten Absicht, die
ihrer Ausübung und Umsetzung in der Welt und in der
persönlichen Entwicklung vorausgehen sollte, ist oft
empfindlich. Durch seine natürliche Freundlichkeit und seine
Fähigkeiten als Lehrer treffen auf Torsten all diese
Voraussetzungen automatisch zu. Er ist ein bewährter und
großzügiger Lehrer, der esoterische Macht und
Kampffertigkeiten in den Dienst der einfachen menschlichen
Güte und Verspieltheit stellt, die er verkörpert. Er ist
eindeutig ein ausgezeichneter Kämpfer mit der angenehmen
Eigenschaft, auf andere zugehen zu können, die sowohl sein
Kämpfen als auch sein Lehren beeinflußt. Die gleiche
Fähigkeit, durch die er die Schwäche seines Angreifers
erkennt, ermöglicht ihm auch, auf die Bedürfnisse seiner
Schüler einzugehen, ihre potentiellen Stärken zu entwickeln
und sich ihren individuellen Qualitäten ganz zuzuwenden. Zu
einem Ausmaß, das unter Kampfkunstpraktizierenden unüblich
ist, kommt der starke Einfluß auf die Reaktion seines
Kampfgegners als Nebenprodukt seiner Verbundenheit zum
anderen. Kämpferische Kunstfertigkeit ist nur ein Beispiel
von der Zuverlässigkeit und Rechtschaffenheit in Bezug auf
die Welt, die zu seinem eigentlichen Anliegen gehören.

Torsten hatte das große Glück, viele Jahre von einem
bemerkenswerten und einflußreichen Kampfkünstler namens
Helmut Barthel zu lernen, von dem er mit großem Respekt
spricht. So wie ich es verstehe, entfernte sich seine
Aufmerksamkeit vom traditionellen Verständnis durch seinen
Lehrer, der ihm gleichzeitig signifikante Innovationen und
Erfahrungen, die teilweise aus tiefgehenden schamanistischen
Studien stammen, vermittelte. Was an den Inneren Stilen am
meisten lebendig und entscheidend ist, geht zugrunde, wenn
es nicht ständig erneuert wird. Torsten ehrt das Beispiel
seines Lehrers, indem er sich das zueigen macht, was ihm
gelehrt worden ist, und verleiht ihm durch seine
einzigartige Persönlichkeit neues, frisches Leben. Ein
Aspekt von dem, was Torsten den schamanistischen Weg der
Kampfkünste nennt, ist die Fähigkeit, den anderen zu spüren.
Allein mit der Absicht zur kämpferischen Auseinandersetzung
kann er das Verhältnis des anderen zur Schwerkraft erfühlen
und ausnutzen.

Die Philosophie entbehrt einer angemessenen Sprache für die
Erfahrungen von Verbundenheit, Anteilnahme und intuitivem
Wissen. Ich habe den Begriff “perceptual feeling”
(wahrnehmendes Gefühl) für den Modus geprägt, in dem das
Fühlen wie eine Erkenntnis funktioniert. Ebenso wie das
visuelle Bild das Abbild eines Objektes ist, so ist das
“perceptual feeling” die haptische Manifestation des
Objektes. Typischerweise wird das Verhältnis zwischen
Erkenntnis und Gefühl definiert, indem man sagt, daß Gefühle
die Antwort auf Wahrnehmungen sind. So stimuliert zum
Beispiel die Erkenntnis einer drohenden Auseinandersetzung
ein Gefühl der Furcht. Ich behaupte, daß wiederum Gefühle
anderer Art wie das Gefühl der Anteilnahme mit diesen
reflektierten Gefühlen verflochten sind. Sie können isoliert
geklärt und weiterentwickelt werden. Mit diesen
Errungenschaften kann man den anderen deutlich fühlen,
zusätzlich zu den Gefühlen, die man sowieso für oder über
den anderen hat. Selten ist jemand in seiner Art der
Verbundenheit und Erkenntnis so beeindruckend wie Torsten,
und noch seltener ist das für jemanden, der seine
Einflußmöglichkeiten so respektvoll und sanft anwendet.
Dieser Respekt schützt den anderen vor der manipulierenden
Einflußnahme, die sonst stattfinden könnte. Mit Torsten
zusammen zu sein, ruft ein Gefühl einhüllender Wärme,
Köstlichkeit und Demut hervor. Er ist von der reinen Absicht
zu helfen und zu lehren durchdrungen. Er verkörpert die
fundamentale menschliche Gleichheit, nicht die
unterdrückende Hierarchie der Macht, die gemeinhin in der
Welt herrscht, besonders aber in der Welt der Kampfkünste.

Damit die Inneren Kampfkünste gedeihen können, müssen
traditionelle Strukturen neue Funktionen erhalten und neue
Strukturen entstehen. Für jene, die bisher eine machbare
Serie traditioneller Formen gelernt haben, wird das
gemeinsame Studium mit Torsten diese beleben und Fluß und
Weisheit hervorbringen, die in den Bewegungen als eine
Botschaft aus der Vergangenheit verankert sind, die aber
ohne seine Hilfe nicht zu entziffern sein mögen. Er
vermittelt außerdem eine neue Form, die ihm von seinem
Lehrer vermacht wurde, und er ist während seines Unterrichts
von meisterhafter Improvisationsfähigkeit. Torsten ist ein
großer Bewegungskünstler. Es ist eine Freude, seine
effektiven, zielgerichteten und eleganten Bewegungen
anzusehen. Er ist unglaublich verständnisvoll und
erfinderisch, wenn es darum geht, Wege zu finden, solche
Bewegungen auch in seinen Schülern zu erwecken.

Kampfkünste in ihrer ursprünglichsten Intention und dem
Versprechen, standen immer im Dienst, einen bodenständigen
Menschen heranzubilden. Ein großer Kämpfer zu sein, kann
einer körperlichen Metapher für menschliche Güte
gleichkommen, doch nur dann, wenn eine aufrichtige Absicht
die Fähigkeit, den Gegner in der physischen
Auseinandersetzung zu besiegen, mit der Fähigkeit die
Kleinherzigkeit in sich selbst zu besiegen, verbunden ist,
so wie es bei Torsten der Fall ist. Dann wird die nuancierte
Reaktion auf einen Gegner zu einer Generalprobe für die
Anwendung auf jede einmalige Lebenssituation, die die
Grundlage für eine anpassungsfähige Ethik ist.

Thema: Artikel | Comments Off | Autor: TK

Leigongneiquan - nach Torsten Kanzmeier

Mittwoch, 31. Januar 2007 17:02

Leigongneiquan - Inneres Boxen nach Torsten Kanzmeier

von Jan P. F. Hintelmann

Das ‘Leigongneiquan’ oder ‘Innere Boxen nach Torsten Kanzmeier’ versteht sich als eigenständiger Stil der ‘Neijia’ (=inneren) Schule in der Tradition des Tan Tien Tschüan. Dieses System ist nicht nur für Anhänger der weichen oder inneren Schule der Kampfkunst interessant, sondern vielmehr für jeden Kampfkunstinteressierten, weil es spezifische Inhalte vermittelt, die theoretisch in vielen östlichen Stilen propagiert werden, praktisch aber nicht konsequent umgesetzt werden. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen.

In dem Buch von David Peterson: Look beyond the pointing finger-The combat philosophy of Wong Shun Leung (Melbourne 2001) ist nachzulesen:

“In summary, the concept of “using no form to win any form” is the core theory of the “science of Ving Tsun Gung-fu”, while “Double-sticking hands” is the basis and key to this dialectical theory” (S. 89). [...]

Thema: Artikel | Comments Off | Autor: Torsten